Kategorie: Zulassungsmöglichkeiten
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Zulassungsmöglichkeiten für Bullis

Also, Leute,
da es jetzt ja nun die FAQ's gibt und die Frage, wie man denn nun einen Bully günstigst zulassen kann, fast schon zum Standardrepertoire von Bulli-, Szenen- oder Forumsneulingen gehört, hier meine Zusammenfassung.

Zulassung:
Für den Bulli kommen eine ganze Reihe von Zulassungsmöglichkeiten in Betracht. PKW, LKW und Wohnmobil sind die verbreitetsten. Die seit rund zwei Jahren bestehende Möglichkeit des "PKW Kombi >2,8to", bei dem ein PKW als PKW versichert und nach Gewicht versteuert werden kann, bleibt allerdings verschiedenen T4-Modellen vorenthalten. Eine Freigabe des Herstellers für ein zGG von über 2,8to ist unabdingbare Voraussetzung, und die rückt VW für den T3 nicht heraus. Allem Anschein nach haben es verschiedene T3-Eigner doch geschafft, was jedoch mit Vorsicht zu genießen ist: Liegt der Verdacht vor, daß bei einer Auflastung des T3 auf 2,81to nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, kann dies zwangsmäßig auf Kosten des Fahrzeughalters von den Behörden rückgängig gemacht werden. Dabei greift das Recht der Besitzstandswahrung nicht.

PKW sind logischerweise Fahrzeuge, die vornehmlich dem Personentransport dienen. Sitzplatzzahlen von 2 bis 9 in allen Varianten und Kombinationen sind geläufig. Wobei es nicht ganz so leicht ist, einen L-Bus zum 9-Sitzer zu machen, wenn er als 7-Sitzer das Werk verlassen hat: Sind die Sitzbefestigungen für 9 Sitzplätze da?

LKW sind Fahrzeuge, die vorwiegend dem Gütertransport dienen. Der Laderaum muß dabei ausreichend von der Personenkabine abgetrennt sein. In Pritschenfahrzeugen ist dies bauartbedingt serienmäßig erledigt, bei geschlossenen Fahrzeugen tut es eine Trennwand. Diese muß nicht zwangsläufig vollkommen geschlossen sein. Eine halbhohe Trennwand über die gesamte Fahrzeugbreite oder eine hohe Trennwand mit Durchgang (Türe, =Post-Version) wird akzeptiert. Eine Eigenbaulösung aus 5mm Sperrholz reicht logischerweise nicht aus. Bei geschlossenen LKW müssen die Seitenscheiben im Bereich des Laderaums geschlossen sein, und zwar fest und dauerhaft. Überlackierte Scheiben reichen nicht. Auch dürfen im Laderaum keine Sitzaufnahmen oder Sicherheitsgurtbefestigungen nutzbar sein. Der LKW ist aber nicht auf 2 oder 3 Sitze begrenzt. Kriterium des TÜV für LKW ist, daß mindestens die Hälfte der Fahrzeuglänge als Laderaum zur Verfügung stehen muß. Als Fahrzeuglänge ist dabei allerdings die Längenausdehnung zwischen hinterster Kante des Laderaumes bis zur Vorderkante des vollkommen niedergedrückten Gaspedals. Damit können auch Kombis mit zwei Sitzreihen zum LKW werden, die DoKa sowieso. Womit beim Bully bis zu sechs Sitzplätze möglich sind. Dummerweise akzeptieren nicht alle Landratsämter derartige LKW in Privathand, und von der LRA-Definition hängt die Fahrzeugsteuer ab.

Wohnmobile können alle Bullys werden, auch wenn sie es bisher noch nie waren. Auch Eigenumbauten sind gestattet. Manche Typen erfüllen schon von Haus aus nahezu alle Kriterien für WoMo, so z.B. die Multivan. Ein WoMo MUSS als Innenausstattung aufweisen: Liegefläche min. 180 x 60cm (die Anzahl Liegeflächen muß nicht der Anzahl eingetragener Sitzplätze entsprechen), Stauraum, Tisch und Kochgelegenheit. Alle Einbauten müssen fest mit dem Fahrzeug verbunden sein, dürfen also nicht ohne Werkzeug demontierbar sein - Flügelmuttern sind demnach tabu. Allerdings drückt so mancher TÜV-Prüfer das eine oder andere Auge zu, z.B. wenn der nicht fest eingebaute Kocher mit "Geruchsbelästigung im Fahrzeug" begründet wird. Dann allerdings muß das Gerät für die Fahrt sicher zu verstauen sein. Bei festeingebauten gasbetriebenen Kochern oder Heizungen muß dann auch alle zwei Jahre eine Gasprüfung gemacht werden. Ohne gültige Plakette kann die Einfahrt auf Campingplätze verwehrt werden! Auch müssen alle Einbauten aus splittersicherem Material und die Kanten abgerundet bzw. gepolstert sein. Echtholzausbauten gehen damit nicht. Es gibt dann auch noch Vorschriften bezüglich Fensterflächen und Notausstiegen sowie Kommunikationsmöglichkeit mit dem Fahrer, was beim Bully jedoch bauartbedingt kein Thema ist. Für WoMo's gelten hinsichtlich der zulässigen Sitzplätze dieselben Grenzen wie für PKW. Sprich: Wenn der eigentliche Zweck des Fahrzeugs nicht behindert wird, können 9 Sitzplätze eingetragen werden.

Andere Zulassungsmöglichkeiten sind: Verkaufsfahrzeug, Büromobil, Werkstattwagen, Bestattungsfahrzeug, Verkehrsservicefahrzeug (Pannenhilfefahrzeug). Die diesbezüglichen Bestimmungen sind aber am besten direkt beim TÜV (Ostdeutschland: DEKRA) zu erfragen.

Versicherung:

Das große Problem bei den verschiedenen Zulassungsarten ist, daß Steuerbelastung und Versicherungstarif gegenläufig sind. Das heißt: Günstige Versteuerung über das Gewicht (rund 300,- DM pro Jahr) muß mit sehr hohen Versicherungsbeiträgen erkauft werden, häufig wird damit die Steuerersparnis mehrfach aufgezehrt. Bei einem T2 mit 2l-Motor ist die Steuerersparnis LKW zu PKW rund 700,- DM. Allerdings läßt sich der T2 als WoMo mit rund 400,- DM versichern, als LKW sind um die 2000,- DM oder mehr zu bezahlen. Verschiedene Club- oder Oldtimertarife können die Versicherungsbeiträge noch weiter drücken, sind aber auch gerne an Bedingungen geknüpft wie z.B. Garagenpflicht und enge Jahreskilometerleistungen. Nach derzeitiger Praxis der Versicherungsgesellschaften wird die Versicherungsleistung vollkommen verweigert, wenn nicht alle im Versicherungsvertrag festgehaltenen Bedingungen erfüllt sind. Interessanteste Zulassung ist bei Betrachtung der Versicherungstarife das WoMo, da bei dieser Fahrzeugart üblicherweise die SF-Abstufung sehr grob ist, SF0 = 100% nicht übersteigt und innerhalb von 3 schadenfreien Jahren die geringste Stufe (=ca. 45%) erreicht wird.

Das "Gelbe vom Ei" wäre die Eingangs erwähnte Zulassung als "PKW Kombi >2,8to", bei der die Einrichtung einer universellen Nutzung des Fahrzeuges entsprechen muß. Das bedeutet, daß Personen und Güter gleichermaßen befördert werden können müssen, ohne große Umbaumaßnahmen am Fahrzeug durchführen zu müssen. Sitzbänke, die sich mit wenigen Handgriffen entfernen lassen, erfüllen diese Anforderung. Umklappbare Sitzbänke sowieso. Diese Sondergattung PKW wird dann nach Gewicht versteuert (ca. 300,- DM pro Jahr) und als PKW versichert (rund 1000,- DM bei 100%). Wohl dem, der einen passenden T4 fährt.

Alternative Zulassungsmöglichkeiten
Dieser kleine Artikel zielt auf den T2 ab!

Das H-Kennzeichen:

Ein H-Kennzeichen kann ein Fahrzeug bekommen, wenn es 30 Jahre alt ist. Zum Erreichen dieser „Bevorzugung" durch den Staat hat eben dieser einige Hürden vor die Reifen des Probanden geworfen. Die natürlich auch wieder in üblicher Manier, also nicht eindeutig, so dass sich, wie immer, Unterschiede interpretieren lassen.

Die allgemeine Definition ist die eines „historischen Fahrzeugs", man spricht auch vom „technischen Kulturgut" und von der „Erhaltungswürdigkeit" eines Fahrzeuges. Dies drückt sich schriftlich dann in der Erstellung eines Gutachtens nach §21c aus.


Wie bekommt man also ein H-Kennzeichen und was soll das?


Ein mit einem H-Kennzeichen ausgestattetes Fahrzeug unterliegt nicht mehr dem üblichen Steuersatz , sondern wird mittels Umschlüsselung von meistens „00" auf „98" steuerbegünstigt und zwar auf einen festgelegten Satz von DM 375,- p.a. Dieser Steuersatz gilt unabhängig von der üblichen Berechnung nach Hubraum der Antriebsmaschine.

Hat man ein 30 Jahre altes Fahrzeug, so muss man dieses beim TÜV vorführen. In den alten Bundesländern kann man auch nur zum TÜV fahren, eine Vorführung bei der DEKRA ist nur in den neuen Bundesländern möglich.

Die HU, also die letzte Hauptuntersuchung darf nicht älter als 3 Monate sein, ansonsten wird eine neue Überprüfung fällig. Zusätzlich dazu muss man ein Gutachten nach § 21c erstellen lassen. Dies ist die eigentliche Begutachtung hinsichtlich des H-Kennzeichens.

Da die Richtlinien nicht eindeutig sind, variiert wieder einmal die Begutachtung von Prüfer zu Prüfer. Bei uns in Krefeld wird die Begutachtung nach folgenden Gesichtspunkten vorgenommen:

? Fahrzeug muss mind. Zustand 3 haben.
? Man muss sehen, dass dieses Fahrzeug erhalten wird, hierbei spielt es keine Rolle, ob das Fahrzeug nur eine Farbe hat, sondern es muss eindeutig erkennbar sein, dass hier eine sachgemäße Arbeit zur Erhaltung des Fahrzeuges stattfindet
? Das Fahrzeug muss weitestgehend dem Originalzustand oder einem zeitgenössischen Zustand entsprechen, d.h. auch ein 30 Jahre alter tiefergelegter Manta mit breiten Schluffen und „boah-ey-Ausrüstung" verdient das H-Kennzeichen.

Alleine die Erstellung dieses Gutachtens schlägt mit rund 100,- DM zu Buche.Mit dem Gutachten und den Fahrzeugpapieren incl. Doppelkarte der Versicherung begibt man sich zum Amt zwecks Umschlüsselung. Die alten Kennzeichen werden entsorgt und man bekommt die gleiche Nummer mit nachgestelltem „H".

Alles in Allem Kosten von rund DM 200,-

Das rote 07er-Kennzeichen:

Hier muss das Fahrzeug 20 Jahre alt sein, man kann, je nach Landkreis bzw. Stadt, bis zu 30 Fahrzeuge auf dieses Wechselkennzeichen eintragen lassen. Hier in Krefeld muss das einzutragende Fahrzeug bei der Ersteintragung noch TÜV haben.

Man muss einen formlosen Antrag an die Bundesbehörde stellen, ein polizeiliches Führungszeugnis bringen und eine entsprechende Doppelkarte der Versicherung. Außerdem muss man anhand eines Treffenspiegels nachweisen, zu welchen Treffen man zukünftig fahren möchte. Hier reicht ein Markt-Heft, in dem man die Treffen gemarkert hat oder eine Vereinszeitung oder ähnliches zum einmaligen Vorzeigen aus.

Nach einigen Wochen bekommt man dann die Genehmigung und kann sein rotes Kennzeichen abholen. Steuer hier ebenfalls pauschal DM 375,-.

Einschränkungen muss man allerdings mitmachen, ein Fahrtenbuch muss geführt werden. Man darf nur zu Treffen (in ganz Europa), zu Oldtimerveranstaltungen und zu Probe- bzw. zu Bewegungsfahrten und zur Überführung das Fahrzeug bewegen. Diese Definitionen sind sehr dehnbar, man sollte immer Werkzeug und eine gute Rechtfertigung parat haben, wenn man die Oma dabei hat.

Hier bei uns sind die Herren der Ordnungsbehörde rigide hingegangen und haben fast 30 Schilder wieder eingezogen. Dann wird's teuer, denn, weißt man den Missbrauch nach, ist dies „Fahren ohne Zulassung", „Steuerhinterziehung" usw. Man sollte sich also zweimal überlegen, ob man öfter mit dem Fahrzeug morgens zur Arbeit fährt.

RR, Dienstag, 7. November 2000






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